Tarp bei Wind aufbauen und sicher abspannen

Tarp bei Wind aufbauen und sicher abspannen

Ein Tarp wird bei Wind nicht durch besonders viel Material sicher, sondern durch einen sauberen Aufbau. Wer ein Tarp bei Wind aufbauen will, muss die Windrichtung lesen, den Zug gleichmäßig verteilen und dem Tuch eine flache, belastbare Form geben. Ein hoch aufgestelltes Sonnendach sieht am ruhigen Campingplatz gut aus - bei Böen wird es schnell zum Segel.

Gerade auf Trekkingtour, beim Ansitz oder im einfachen Biwak zählt ein Wetterschutz, der nicht ständig nachgespannt werden muss. Mit dem passenden Platz, guten Heringen und ein paar klaren Handgriffen bleibt das Tarp ruhig und schafft einen trockenen Bereich zum Kochen, Ausrüstung sortieren oder Ausruhen.

Den Aufbauplatz zuerst nach Wind beurteilen

Bevor die erste Leine gespannt wird, lohnt ein Blick auf Gelände und Vegetation. Gras, lose Blätter, die Bewegung von Ästen und kleine Wellen auf einem See zeigen meist besser als die Wetter-App, aus welcher Richtung der Wind tatsächlich kommt. Dabei nicht nur den Dauerwind beachten: Böen können aus Tälern, an Waldrändern oder über Kuppen deutlich anders einschlagen.

Suche einen Platz mit natürlichem Windschutz, etwa hinter einer Geländeform, einer dichten Hecke oder im lichten Wald. Der Schutz darf aber nicht zum Risiko werden. Unter abgestorbenen Ästen, an morschen Bäumen oder direkt unter einer einzelnen hohen Fichte hat ein Lager bei Wind nichts verloren. Auch Mulden sind nicht immer die bessere Wahl: Dort sammelt sich bei Regen Wasser, und kalte Luft steht oft länger.

Am besten richtet sich die schmale oder niedrige Seite des Tarps gegen den Wind. So trifft die Luft nicht auf eine große offene Fläche. Die Öffnung zeigt zur geschützten Seite. Kommt der Wind böig oder dreht er regelmäßig, lohnt es sich, das Tarp noch niedriger zu setzen und die Seiten stärker zu schließen.

Tarp bei Wind aufbauen: Die richtige Form wählen

Die beste Aufbauform hängt von Größe des Tarps, vorhandenen Bäumen, Untergrund und Einsatzzweck ab. Für windiges Wetter sind niedrige Formen fast immer im Vorteil. Sie bieten weniger Angriffsfläche, leiten Wasser zuverlässig ab und belasten Gestänge, Stöcke sowie Abspannpunkte weniger stark.

Flaches A-Frame für zwei Personen

Ein A-Frame mit einer Firstleine zwischen zwei Bäumen ist ein bewährter Allrounder. Die lange Kante verläuft dabei möglichst parallel zum Wind, die beiden Dachflächen fallen seitlich ab. Wichtig ist ein ausreichend niedriger First: Zum Sitzen darf es bequem sein, zum Stehen muss ein Sturm-Tarp nicht taugen.

Spanne die Luvseite, also die dem Wind zugewandte Seite, tief bis fast auf den Boden. Die Leeseite kann etwas höher bleiben, wenn Belüftung nötig ist. Bei Regen und Seitenwind sollte auch sie niedriger stehen. Ein leicht versetztes Ende verhindert, dass der Wind direkt durch den gesamten Unterstand fährt.

Lean-to nur bei ruhigem, berechenbarem Wind

Das schräg nach vorn offene Lean-to bietet viel Raum und einen guten Blick nach draußen. Bei wechselndem oder starkem Wind ist es aber eine Kompromisslösung. Trifft der Wind in die offene Seite, drückt er Regen hinein und kann die gesamte Fläche anheben.

Diese Form passt, wenn ein stabiler Windschutz im Rücken liegt und der Wind sicher aus einer Richtung kommt. Für eine längere Nacht, exponierte Plätze oder angekündigte Böen ist ein geschlossenes A-Frame oder eine niedrige Pyramidenform die verlässlichere Wahl.

Halbpyramide und geschlossene Seiten bei Böen

Mit Trekkingstock, Paddel oder einem geraden Ast lässt sich ein rechteckiges Tarp als Halbpyramide aufbauen. Mehrere Kanten liegen dabei nah am Boden, nur ein kleiner Bereich bleibt als Eingang offen. Das kostet Innenraum, bringt aber deutlich mehr Ruhe in die Konstruktion.

Bei starkem Wind ist das oft genau der richtige Tausch: weniger Komfort nach oben, dafür weniger Flattern, weniger Spritzwasser und eine wesentlich bessere Chance auf Schlaf. Achte darauf, dass Regen ablaufen kann und keine flache Tasche im Tuch entsteht. Dort sammelt sich Wasser, erhöht die Last und zieht das Tarp nach unten.

Abspannen: Erst die tragenden Punkte, dann die Feinjustierung

Ein Tarp hält nur so gut wie seine Abspannpunkte. Beginne immer mit den Punkten, die die Hauptlast tragen - beim A-Frame sind das Firstleine und die beiden windzugewandten Ecken. Erst wenn diese sauber sitzen, folgen die übrigen Ecken und Seitenabspannungen.

Die Leinen sollten nicht senkrecht zum Boden verlaufen, sondern in einem flachen Winkel nach außen führen. So entsteht mehr Halt, und die Kräfte verteilen sich besser. Ziehst du die Leine zu steil nach unten, hebelt eine Böe den Hering leichter heraus. Ein Winkel von ungefähr 45 Grad ist ein guter Ausgangspunkt, in weichem Boden darf die Leine noch flacher laufen.

Setze Heringe schräg vom Tarp weg in den Boden, nicht zum Tarp hin. Der Haken oder Kopf zeigt dabei zum Tuch. In Wiesen und Waldboden greifen lange Y- oder V-Heringe meist besser als sehr dünne Drahtmodelle. Auf sandigem Boden helfen breite Sandheringe oder improvisierte Totmannanker: Dazu wird ein Ast, Beutel oder Packsack mit Gewicht quer zur Zugrichtung eingegraben oder mit Steinen beschwert.

Bei felsigem Untergrund ersetzt ein schwerer Stein den Hering nicht einfach durch Auflegen auf die Leine. Besser ist es, die Leine mit einem Knoten um einen großen, stabilen Stein zu führen oder einen Steinanker aus mehreren Steinen zu bauen. Prüfe nach jeder Böe, ob sich etwas bewegt. Kleine Korrekturen früh zu machen ist leichter, als nachts eine gelöste Ecke zu suchen.

Leinen, Knoten und Material sinnvoll einsetzen

Für ein windfestes Tarp brauchst du keine komplizierte Knotensammlung. Entscheidend sind Leinen, die sich gut greifen lassen, und Knoten oder Spanner, mit denen sich die Spannung nachstellen lässt. Ein Palstek eignet sich für feste Schlaufen, ein Webeleinenstek für Befestigungen am Baum. Für verstellbare Abspannungen sind Leinenspanner oder ein einfacher verstellbarer Knoten praktisch.

Reflektierende Abspannleinen sind im Dunkeln kein Luxus. Sie senken die Gefahr, dass du beim Gang zum Wasser oder nachts beim Herauskriechen über eine Leine stolperst. Nimm lieber etwas mehr Leine mit als zu wenig: Bei Wind muss ein Abspannpunkt manchmal weiter nach außen, zu einem besseren Heringplatz oder um ein Hindernis herum gesetzt werden.

Trekkingstöcke können gute Mittelstützen sein, müssen aber sicher stehen. Bei spitzem Untergrund schützt eine kleine Unterlage unter dem Griff das Tarp vor Druckstellen. Steht der Stock mit Spitze nach oben, gehört eine Schutzkappe darüber. Bei sehr starken Böen sind Bäume oder stabile natürliche Fixpunkte für die Hauptspannung besser als einzelne Stöcke.

Spannung kontrollieren, ohne das Tarp zu überlasten

Ein straffes Tarp flattert weniger, aber völlig überzogenes Material ist ebenfalls keine gute Idee. Nässe, Kälte und wechselnde Windlast verändern die Spannung. Manche Gewebe dehnen sich bei Feuchtigkeit merklich. Daher nach dem ersten Aufbau etwa zehn Minuten warten und alle tragenden Punkte nachsetzen.

Wenn eine Seite laut schlägt, liegt das oft nicht an zu wenig Spannung allein. Prüfe zuerst die Form: Gibt es eine große, flache Fläche quer zum Wind? Hängt eine Ecke durch? Steht der First zu hoch? Häufig hilft es mehr, das Tarp niedriger zu setzen oder einen zusätzlichen seitlichen Abspannpunkt zu nutzen, als jede Leine mit Kraft anzuziehen.

Seitliche Schlaufen sind bei Wind besonders wertvoll. Sie brechen große Flächen auf und stabilisieren die Dachbahn. Verwende sie jedoch mit Gefühl. Ein seitlicher Zug darf die Form unterstützen, nicht das Material an einer Stelle überdehnen. Bei einem leichten Trekkingtarp ist das wichtiger als bei schwerem Baumwoll- oder Polyestergewebe.

Was bei Regen, Kälte und offenem Feuer gilt

Wind kommt oft zusammen mit Regen. Deshalb müssen die Kanten so stehen, dass Wasser nach außen läuft und nicht unter das Tarp tropft. Lege den Schlafplatz nicht direkt an den Rand, denn Spritzwasser und Tropfen finden bei Starkregen ihren Weg. Ein kleines Gefälle im Gelände ist gut, eine Rinne unter dem Tarp nicht.

Bei kalten, feuchten Bedingungen ist etwas Belüftung nötig. Ein komplett abgedichtetes Tarp hält Wind ab, fördert aber Kondenswasser. Öffne die Leeseite einen Spalt oder lasse eine Ecke etwas höher, sofern Regen nicht hineindrückt. Welche Öffnung funktioniert, entscheidet immer die konkrete Windrichtung.

Offenes Feuer gehört nur mit großem Abstand und unter sicheren Bedingungen vor das Tarp. Funken, Hitze und Wind sind eine schlechte Kombination - besonders bei leichten Kunstfasertüchern. Ein Kocher steht auf ebenem, festem Untergrund und nie so, dass Flamme oder heiße Abgase das Material erreichen. In geschlossenen oder sehr tief aufgebauten Formen besteht zudem ein ernstes Risiko durch Kohlenmonoxid. Kocher und Grill gehören nicht in einen dicht verschlossenen Unterstand.

Ein sauber niedrig aufgebautes Tarp wirkt bei Wind zunächst weniger großzügig. Draußen zählt jedoch nicht die größte überdachte Fläche, sondern ein Schutz, der bei der nächsten Böe noch steht. Nimm dir für Ausrichtung und Abspannung ein paar Minuten mehr Zeit - dann bleibt dein Lagerplatz genau dann verlässlich, wenn das Wetter ungemütlich wird.

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